SOLO
Festival für
künstlerische Alleingänge
Mit Arbeiten von Raymond Liew Jin Pin, River Roux, Strassentauben Kollektiv, Katharina Bill, Naledi Majola, Daniela Ruocco und Melanie Jame Wolf
»So when you go solo you hold your own hand«
Das SOLO – Festival für künstlerische Alleingänge widmet sich den darstellenden Künsten in ihrer konzentriertesten Form. Wenn eine Künstler*in sich allein auf die Bühne stellt, scheint sie der Betrachtung und Bewertung durch das Publikum in besonderem Maße ausgeliefert. Der Körper der Solist*in wird zum exemplarischen Körper, zur Projektionsfläche und zum zahlenmäßig drastisch unterlegenen »Anderen«. »SOLO« versammelt an zwei Wochenenden künstlerische Arbeiten, die sich mit den Verkörperungs- und Darstellungsmöglichkeiten des Solos auseinandersetzen – von Tanz bis Lecture Performance, von Monolog bis Ritual und von Body Art bis Stand up. In vier Performances, zwei Work-in-Progress Showings und zwei Künstler*innengesprächen kommen vielfältige Perspektiven auf gesellschaftliche Normen, Sichtbarkeiten und Körperbilder auf die Bühne. Kritisch, humorvoll und im wahrsten Sinne selbstbewusst konfrontieren die Künstler*innen das komplexe Verhältnis von (Selbst-) Darstellung und (Fremd-) Zuschreibung.
Mit seinem Tanz-Solo »Solotus – Lotus Fight Club« (Fr 23.5. & Sa 24.5.) begibt sich Raymond Liew Jin Pin auf eine Gratwanderung zwischen Gewalt und Vergnügen, in der ein Ritual der Bestrafung zum Akt der Rebellion umgedeutet wird. River Roux spielt in »Juice« (Fr 23.5. & Sa 24.5.) mit Blicken zwischen Begierde, Scham und Ekel, indem sie ihren ungehorsamen Körper selbstbestimmt und widerständig zur Schau stellt. Das Strassentauben Kollektiv setzt sich in einem Monolog für drei Körper (»Fat Fucks«, So 25.5.) mit Fettfeindlichkeit als Diskriminierunsgform auseinander. Im anschließenden »Fat Talk« sprechen sie mit Performance-Macherin und Fett-Aktivistin Katharina Bill über normative Darstellungskonventionen und Wege, diese hinter sich zu lassen. In Naledi Majolas Tanz-Solo »In Flux« wird ein symbolträchtiges Kleidungsstück zum Audrucksmittel für den Wunsch, den eigenen Körper von den Klassifizierungen im Blick des Anderen zu befreien. Daniela Ruoccos Performance »En mi Imperio perreo sola« erschafft mit musikalischer Wucht Vorbilder, die sich wie Panini-Bilder in ein feministisches Reggaeton-Sammelheft einkleben lassen. Die Performancekünstlerin und Musikerin Melanie Jame Wolf rückt den tabuisierten Themen Krankheit und Tod in »Finite Jest« mit den Mitteln der Stand-up Comedy zuleibe und spricht anschließend unter dem Motto »Whos Laughing Now?« über widerständigen Humor auf der Bühne.
Mutig, liebevoll, selbstironisch und stolz nehmen diese Solist*innen unsere Erwartungen und Ansprüche an die Hand, wirbeln sie durcheinander und laden uns ein, ihnen mit Anteilnahme, Neugier und nicht zu wenig Spaß zu begegnen.