Fay van Baar /
Kossi S. Aholou-Wokawui:
Where We Stand /
Ezan Kélé
mit dem Ensemble Of Curious Nature
präsentiert von steptext dance project
Zwei choreografische Blicke auf Gemeinschaft: Fay van Baar und Kossi S. Aholou-Wokawui zeigen mit dem Ensemble Of Curious Nature, wie Bewegung aus Instinkt und Empfindung entsteht – zwischen urbanem Heute und traumverhangener Erinnerung.
Fay van Baar: Where We Stand – Uraufführung
Alltagshast, Gedanken im Kopf, muss noch schnell… Dann plötzlich vor dir: Alarmzeichen in den Körpern der Anderen. Erstarrung. Keiner rührt sich. Wo starren sie denn hin? Siehst du was?
Der Zusammenhalt in der Gesellschaft beschäftigt das Ensemble Of Curious Nature nachhaltig. Die neue Arbeit der Gastchoreografin Fay van Baar nimmt den sogenannten „Bystander-Effekt“ zum Ausgangspunkt, nach dessen Theorie Menschen sich in Gruppen passiver gegenüber Fremden in Not verhalten, als wenn sie einer Notsituation alleine gegenüberstehen. Mit den Tänzer*innen von Of Curious Nature spürt van Baar dem Einfluss verinnerlichter Bilder auf solches Verhalten nach. Welche Einschätzugen, Konstellationen und Körpersignale verhindern die Entscheidung zu helfen?
Ein schwarzes Quadrat im weißen Raum zieht die Blicke auf sich. Fast wirkt es wie ein scharzes Loch, in das die Blicke und Tanzhandlungen unweigerlich gezogen werden. Hier passiert etwas. Aber was eigentlich? Wie reagieren? Was wir nicht sehen, erahnen wir, die eigene Fantasie schließt die Lücken, die sich auftun. Welche Verhaltensweisen bestimmen unsere Reaktionen in ungewissen Situationen? In dieser Neuproduktion geht OCN der Frage nach Zivilcourage nach. Fay van Baar und die Tänzer*innen loten gemeinsam aus, was eine Gruppe am Handeln hindert und lassen den Wunsch nach Solidarität mitschwingen.
Kossi S. Aholou-Wokawui: Ezan-Kélé – Wiederaufnahme
Der Neuproduktion von Fay van Baar wird ein Stück aus dem Repertoire von OCN zur Seite gestellt, das sich ebenfalls mit dem Zustand zwischen Imagination und Realität beschäftigt. Kossi S. Aholou-Wokawui nimmt das Publikum in seiner Choreografie mit in die Stunde der Morgendämmerung auf dem Land, wie sie in seinen Erinnerungen an seine Heimat Togo lebt. Im halbwachen Zustand wirkt das Unterbewusste des Schlafs nach und treibt Empfindungen in den erwachenden Körper. Schwelendes Verlangen und Sehnsüchte bahnen sich im Halbdunkel ihren Weg, scheinen ins Reale zu kippen oder versiegen wieder. Was, wenn wir die Empfindungen des Traumes mit in die Realität nehmen?
„Ezan-Kéle („Morgendämmerung“ in der Sprache Ewe) hat seinen Ursprung in meinen Erinnerungen an die nächtlichen und frühmorgendlichen Bewegungen von Menschen in Togo auf dem Land: ein Zwischenzustand zwischen Traum und Wachen, in dem man anderen und sich selbst begegnet.“ (Kossi S. Aholou-Wokawui)
Über die Künstler*innen
Fay van Baar war lange Tänzerin am Netherlands Dance Theatre in Den Haag und hat zuvor erste choreografische Arbeiten u.a. für die Mir Tanzgala und das Korzo Den Haag in Kooperation mit dem NDT realisiert. Ihre Bewegungssprache ist geprägt von scheinbar müheloser Instinktivität, von ungezwungener Kraft - „verspielt, direkt und ungeschliffen.“ (Arts Talk Magazine Niederlande). Sie wurde von der niederländischen Stiftung Dansersfonds‘79 ausgezeichnet für ihre „reife, ungezwungene Darstellung, subtile Musikalität und klare Affinität zu der Atmosphäre und Energie, die eine Choreografie hervorrufen möchte“. Genau wie OCN ist Fay van Baar an Themen interessiert, die in der Gesellschaft schwelen, aber nicht einfach zu greifen oder in Worte zu fassen sind.
„Ich habe mich schon immer zum Geschichtenerzählen hingezogen gefühlt, sei es durch Schreiben, Zeichnen, Film, Musik, Theater oder Tanz. Es hat die Kraft, Menschen miteinander zu verbinden und uns dabei zu helfen, uns in komplexen sozialen Realitäten, Emotionen und Identitäten zurechtzufinden.“ (Fay van Baar)
Kossi Sebastien Aholou-Wokawui wuchs in Togo auf und lernte traditionellen und zeitgenössischen afrikanischen Tanz sowie Modern und Jazz Dance in verschiedenen Ensembles. Er absolvierte Fortbildungen u. a. bei Stephanie Thiersch sowie an der École des Sables, Senegal und war als Workshopleiter am Théâtre National d’Haïti tätig. Seit 2012 arbeitet Aholou-Wokawui kontinuierlich mit steptext dance project zusammen und tanzte seither in zahlreichen Produktionen von Helge Letonja, seit 2019 auch bei Of Curious Nature im In- und Ausland. Seine choreografischen Arbeiten umfassen Dans La Peau de l’autre gemeinsam mit Tom Bünger, mehrere Soli u.a. Be-Greifen, sowie Ezan-Kélé mit dem Ensemble Of Curious Nature 2023. In seinen Arbeiten verbindet sich seine im Togo ausgeformte Tanzsprache mit dem zeitgenössischen europäischen Tanz, den er seit Jahren praktiziert, zu neuen und frischen Verflechtungen. In vielfältigen Kooperationen leitet Aholou-Wokawui zudem Workshops in Contemporary Afro und gestaltet transkulturelle Jugendtanztheater-Projekte.
Credits:
Where We Stand
Choreografie: Fay van Baar
Choreografische Assistenz, Trainingsleitung: Albert Garrell
Tanz: Lys Cabral, Wan-Yun Chen, Jed Nagales, Tiago Reis, Daniel Sabia, Pere Sansaloni Servera, Carolina Verra, Agathe Mas, Panna Poszony
Musik: Shida Shanhabi, Henry Torgue & Serge Houppin
Lichtdesign: Carlos Heydt
Kostüm: Kitty Lyell
Fotos: Mariann Menke
Ezan-Kélé
Choreografie: Kossi S. Aholou-Wokawui
Tanz: Lys Cabral, Jed Nagales, Daniel Sabia, Pere Sansaloni Servera
Musik: Toto Bissainthe, Divan Gattamorta, Simon Mayer, Serge Weber
Musikbearbeitung: Kossi S. Aholou-Wokawui
Kostüm: Koami Vignon
Lichtdesign: Carlos Heydt
Fotos: Ursula Kaufmann
Technische Leitung: Nathaniel Johnson
Dramaturgische Begleitung: Anke Euler
Produktionsleitung: Moritz Petri
Film & Medien: Médoune Seck
Where We Stand ist Teil von IncluDancE, ein Projekt von TanzRAUM Nord gUG/ Of Curious Nature und Scenario Pubblico/ Compagnia Zappalà Danza.
Finanziert von der Europäischen Union.
Ezan-Kélé ist Teil der Produktion Moving Mountains von TanzRAUM Nord in Koproduktion mit dem Teo Otto Theater Remscheid und steptext dance project 2023.
Gefördert vom Senator für Kultur Bremen und der Waldemar-Koch-Stiftung, Bremen.