Fay van Baar /
Kossi S. Aholou-Wokawui:
Where We Stand /
Ezan Kélé
mit dem Ensemble Of Curious Nature
präsentiert von steptext dance project
Die niederländische Choreografin Fay van Baar blickt mit OCN auf prägende Schlüsselmomente des gesellschaftlichen Zusammenhalts und unser Verlangen nach Solidarität. Was begünstigt oder verhindert die Entscheidung Fremden zu helfen? Dazu zeigt OCN eine Arbeit aus dem Repertoire von Kossi S. Aholou-Wokawui. »Ezan Kélé« beschreibt die Morgendämmerung als halbwachen Zustand, in der das Unterbewusste der Nacht, verborgen im fahlen Halbdunkel, ins Reale zu kippen droht.
Where We Stand
Der Zusammenhalt in der heutigen Gesellschaft beschäftigt das Ensemble Of Curious Nature nachhaltig. Die neue Arbeit der Gastchoreografin Fay van Baar nimmt den sogenannten »Bystander-Effekt« zum Ausgangspunkt, nach dessen Theorie Menschen sich in Gruppen passiver gegenüber Fremden in Not verhalten. Mit den Tänzer*innen von Of Curious Nature spürt van Baar dem Einfluss verinnerlichter Bilder auf solches Verhalten nach. Welche Einschätzugen, Konstellationen und Körpersignale begünstigen oder verhindern die Entscheidung zu helfen?
Fay van Baar sucht eine Bewegungssprache von scheinbar müheloser Instinktivität, von ungezwungener Kraft, »verspielt, direkt und ungeschliffen.« (Arts Talk Magazine Niederlande) Mit ihrem Zugang wirft sie mit den Tänzerinnen und Tänzern Schlaglichter darauf, dass eine bruchstückhafte Wahrnehmung automatisch mit Fantasie ergänzt wird. Ist es auch mental lebensnotwendig, nicht alles zu sehen?
Mit dieser Neuproduktion geht OCN damit auch der Frage nach Zivilcourage in anonymen, global vernetzen Welten nach. Fay van Baar und die Tänzerinnen und Tänzer loten gemeinsam aus, wie man als Gemeinschaft wieder miteinander ins Handeln kommt. Where We Stand bildet ein facettenreiches Tableau über das Verlangen nach Solidarität.
Ezan-Kélé
Die Neuproduktion wird ergänzt durch ein Stück aus dem Repertoire von Of Curious Nature. Kossi S. Aholou-Wokawui befragt in seiner Choreografie die Morgendämmerung auf dem Land in Togo aus seinen Erinnerungen. Im halbwachen Zustand wirkt das Unterbewusste der Nacht nach und treibt Empfindungen in den anbrechenden Tag. Schwelendes Verlangen und Sehnsüchte bahnen sich im Halbdunkel ihren Weg, drohen ins Reale zu kippen oder versiegen wieder.
»Ezan-Kéle (»Morgendämmerung« in der Sprache Ewe) hat seinen Ursprung in meinen Erinnerungen an die nächtlichen und frühmorgendlichen Bewegungen von Menschen in Togo auf dem Land: ein Zwischenzustand zwischen Traum und Wachen, in dem man anderen und sich selbst in der Dunkelheit begegnet.«
(Kossi S. Aholou-Wokawui)
Über die Künstler*innen
Fay van Baar war langjährige Tänzerin am Netherlands Dance Theatre in Den Haag und hat zuvor erste choreografische Arbeiten u.a. für das NDT, die Mir Tanzgala und das Korzo Den Haag realisiert. Sie wurde mit dem Dansersfonds-Preis ausgezeichnet für ihre »reife, ungezwungene Darstellung, subtile Musikalität und klare Affinität zu der Atmosphäre und Energie, die eine Choreografie hervorrufen möchte«. Genau wie OCN ist Fay van Baar an Themen interessiert, die in der Gesellschaft schwelen, aber nicht einfach zu greifen oder in Worte zu fassen sind. »Ich habe mich schon immer zum Geschichtenerzählen hingezogen gefühlt, sei es durch Schreiben, Zeichnen, Film, Musik, Theater oder Tanz. Es hat die Kraft, Menschen miteinander zu verbinden und uns dabei zu helfen, uns in komplexen sozialen Realitäten, Emotionen und Identitäten zurechtzufinden.« (Fay van Baar)
Kossi Sebastien Aholou-Wokawui wuchs in Togo auf und lernte traditionellen und zeitgenössischen afrikanischen Tanz sowie Modern und Jazz Dance in verschiedenen Ensembles. Er absolvierte Fortbildungen u. a. bei Stephanie Thiersch sowie an der École des Sables, Senegal und war als Workshopleiter am Théâtre National d’Haïti tätig. Seit 2012 arbeitet Aholou-Wokawui kontinuierlich mit steptext dance project zusammen und tanzte seither in zahlreichen Produktionen von Helge Letonja, seit 2019 auch bei Of Curious Nature im In- und Ausland. Seine choreografischen Arbeiten umfassen Dans La Peau de l’autre gemeinsam mit Tom Bünger, mehrere Soli u.a. Be-Greifen, sowie Ezan-Kélé mit dem Ensemble Of Curious Nature 2023. In seinen Arbeiten verbindet sich seine im Togo ausgeformte Tanzsprache mit dem zeitgenössischen europäischen Tanz, den er seit Jahren praktiziert, zu neuen und frischen Verflechtungen. In vielfältigen Kooperationen leitet Aholou-Wokawui zudem Workshops in Contemporary Afro und gestaltet transkulturelle Jugendtanztheater-Projekte.
Credits:
Where We Stand
Choreografie: Fay van Baar
Choreografische Assistenz, Trainingsleitung: Albert Garrell
Tanz: Lys Cabral, Wan-Yun Chen, Jed Nagales, Tiago Reis, Daniel Sabia, Pere Sansaloni Servera, Carolina Verra, Agathe Mas, Panna Poszony, David Schmidt
Lichtdesign: Carlos Heydt
Fotos: Mariann Menke
Ezan-Kélé
Choreografie: Kossi S. Aholou-Wokawui
Tanz: Lys Cabral, Jed Nagales, Daniel Sabia, Pere Sansaloni Servera
Musik: Toto Bissainthe, Divan Gattamorta, Simon Mayer, Serge Weber
Musikbearbeitung: Kossi S. Aholou-Wokawui
Kostüm: Koami Vignon
Lichtdesign: Carlos Heydt
Fotos: Ursula Kaufmann
Technische Leitung: Nathaniel Johnson
Dramaturgische Begleitung: Anke Euler
Produktionsleitung: Moritz Petri
Film & Medien: Médoune Seck
Where We Stand ist Teil von IncluDancE, ein Projekt von TanzRAUM Nord gUG/ Of Curious Nature und Scenario Pubblico/ Compagnia Zappalà Danza.
Finanziert von der Europäischen Union.
Ezan-Kélé ist Teil der Produktion Moving Mountains von TanzRAUM Nord in Koproduktion mit dem Teo Otto Theater Remscheid und steptext dance project 2023.
Gefördert vom Senator für Kultur Bremen und der Waldemar-Koch-Stiftung, Bremen.