D E
sch wa nk hal le
x

Das Dynamische Archiv - Eva Meyer-Keller

›Scores of Matters‹

Vortrag (engl.) + Publikumsgespräch

DO 12.12. / 19 Uhr

Eintritt frei

Die Schwankhalle ist Partnerin des interdisziplinären Forschungsprojekts ›Das Dynamische Archiv‹ der Hochschule für Künste Bremen. Die Online-Plattform mit ›Open Source‹-Logik versammelt Tools und Methoden ausgewählter Künstler*innen, die sich bereit erklärt haben, sie mit anderen zu teilen. Auf Einladung der Schwankhalle speist die Choreographin Eva Meyer-Keller ein spekulatives und subjektives Glossar aus 100 Objekten in ›Das Dynamische Archiv‹ ein. Es sind Dinge, die in ihren Performances eine zentrale Rolle spielen: Alltagsgegenstände wie Äpfel, Klebeband oder Tampons. Als einzelne ›Einträge‹ bündeln sie historische wie halluzinatorische, banale wie philosophische Erzählungen, die sich zu einem komplexen Verweissystem verästeln. Als Archiv im Archiv spielt ›Scores of Matters‹ mit ungeahnten Möglichkeiten der (Un-/Um-) Ordnungen von Dingen, deren Status wir zu kennen glauben.

Weitere Informationen unter www.thedynamicarchive.net

Ein Projekt der Hochschule für Künste Bremen.

In Kooperation mit der Schwankhalle, dem Edith-Russ-Haus für Medienkunst Oldenburg und HEC IT-Engineering Bremen GmbH. Gefördert von der Senatorin für Wissenschaft und Häfen.

3 Fragen an Eva Meyer-Keller

Du hast in der Schwankhalle eine Residenz im Rahmen des Projekts ›Das Dynamische Archiv‹ der Hochschule für Künste Bremen. Das Archiv ist eine Online-Plattform für künstlerische Tools und Verfahren. Nach Open Source-Logik stellen Künstler*innen dort ihre Erfindungen für die Benutzung und Veränderung durch andere zur Verfügung. Was gibst du ins Archiv und warum?
Da ich in meiner künstlerischen Arbeit sehr viel mit Alltagsobjekten arbeite, entstand die Idee, ein 'Archiv im Archiv' zu erstellen, in welchem zum einen die vielfältigen Geschichten und Kombinationsmöglichkeiten der Objekte erzählt werden können, aber auch das System des Archivs an sich hinterfragt wird. Im ›scores of matters archive‹ sammeln wir 100 Alltagsobjekte, die in meinen vergangenen Arbeiten wichtig waren und ordnen diese in verschiedenen Kategorien an, welche mal mehr und mal weniger Sinn ergeben. Je nachdem, von welchem Pfad man auf ein Objekt stößt, findet man andere Informationen und Bilder des Objektes vor. 

Während der Residenz arbeitest du mit verschiedenen anderen Künstler*innen zusammen. Wer ist wie an der Recherche beteiligt?
Das Archiv selbst erstelle ich gemeinsam mit Ilya Noé, die bildende Künstlerin ist und im Rahmen meiner Residenz ›RESA – Residency for Exchange and Sustainability in the Arts‹ in Kopenhagen mit mir gearbeitet hat, sowie Emilia Schlosser, die bereits Teil des Teams meiner Performances ›Some Significance‹, ›Living Matters‹ und ›Sounds like Catastrophes‹ war, die wir zum Teil in der Schwankhalle gezeigt haben.
Außerdem ist die Tanzwissenschaftlerin Constanze Schellow unsere dramaturgische Beraterin. Im Austausch mit Maximilian Kiepe entwickeln wir die Website, darüber hinaus wird Adam Blaufarb uns bei der Erstellung der Fotografien beraten und unterstützen.

Archivierung und Weitergabe werden im Theater oft nur als leidige Pflichtaufgabe betrachtet: die Aufführung muss auf Video dokumentiert und eine Rolle im Krankheitsfall neu besetzt werden. Was reizt dich an der Veröffentlichung von Komponenten deiner Bühnenproduktionen auf einer transdisziplinären Online-Plattform?
Das ›scores of matters archive‹ ist streng genommen keine Bühnenkomponente, sondern eine eigenständige künstlerische Arbeit, die sich mit den Alltagsobjekten befasst, die in meiner Arbeit wichtig sind. Daran interessiert mich zum einen das Eigenleben von archivarischen Dokumenten, wenn man sie nicht 'nur' als Mittel zur Dokumentation sieht. Zum anderen bietet das digitale Medium uns die Möglichkeit, einen anderen Zugang zu den Objekten und Inhalten anzubieten und zu erproben. Dabei entsteht eine Reibung zwischen der analogen und der digitalen Ebene: während die Gegenstände sonst in meiner Arbeit physisch im Raum anwesend sind, werden sie für ›Das Dynamische Archiv‹ in den virtuellen Raum übersetzt und können somit neue narrative Potentiale entfalten. Dieser Übersetzungs- und Vernetzungsprozess soll auch offen für Absurdität und Humor sein.