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3 Fragen an Tim Gerhards & Peer Gahmert

Euer Stück heißt „Hullu apina“ (finnisch: verrückter Affe) und befasst sich mit Drogenkonsum. In dieser Kombination lässt das an die Formulierung „einen Affen schieben“ denken, eine Bezeichnung für Entzugserscheinungen. Welche Erfahrung habt ihr persönlich mit Drogen und Entzug?

Wir haben bemerkenswert wenig Erfahrung damit, um ehrlich zu sein. Das freut unsere Eltern, dass wir trotz der drogenfreundlichen Branche, in der wir arbeiten, außer Zigaretten und Alkohol keine Drogenkarriere vorzuweisen haben. Für dieses Stück aber war dieser Umstand eher von Nachteil: Wir mussten geradezu bei Null beginnen und uns die Blöße geben, Kollegen und Kolleginnen zu fragen, wie das eigentlich ist, sich Gras zu kaufen. Einen Affen haben wir also auch noch nie geschoben. Zum Glück brauchten wir aber eigentlich nur eine zufällige Nummer aus unserem Kollegenkreis anrufen, erstaunlich schnell wurde uns Auskunft gegeben.

 

Tim, du bist Choreograf: Wie kann man die körperliche, soziale und politische Dimension von Drogenkonsum tanzen?

Beim Thema Drogen kommen in der Tat viele Faktoren zusammen. Drogenkonsum, die Produktion, der Handel und die Auswirkungen sind ein fester Bestandteil unserer Gesellschaften, ob man das will und gut findet oder nicht. Unter dem Radar ist das alles viel normaler, angepasster und auch spießiger, als es in öffentlichen oder privaten Diskussionen den Anschein macht. Wir mussten also schauen, was derzeit ist: was täglich millionenfach passiert und dennoch gerne missachtet oder gar geleugnet wird. Diese Alltäglichkeit zu verkörperlichen und zu verbalisieren, ist aufgrund der Banalität eine spannende Aufgabe. Dabei auf sehr gute Musik und sehr gute Tänzerinnen und Tänzer zurückgreifen zu können, hilft aber natürlich ungemein.

 

Peer, das Ganze ist als szenisches Konzeptalbum angekündigt: ist das der Versuch, Ordnung in den Rausch zu bekommen?

Nein, Ordnung im Rausch wäre vermutlich das Ende des Reizes, den Drogen auslösen. Wenn Hullu Apina zufällig eine solche Wirkung hätte, würden wir den Ehrennobelpreis dafür natürlich dennoch annehmen. Uns geht es aber eher darum, Aspekte der Alltäglichkeit zu dokumentieren. Schrittweise vorzugehen, in vielfältige Normalitäten des Themas reinzuschneiden und kleine Details aus der allumfassenden Drogenwelt, die uns alle umgibt, aneinanderzureihen - das erscheint uns als richtige Herangehensweise, um den Problemen und den Freuden, die von Drogen ausgehen, gerecht zu werden.