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3 FRAGEN AN ... #6
Petra Serhal

Theaterarbeit unter den Bedingungen von Corona

Die Coronakrise verändert unseren Alltag in einem ungekannten Ausmaß. Auch wenn wir alle von den Auswirkungen des Virus betroffen sind, sehen die Herausforderungen, die sie mit sich bringen, für jede*n anders aus. Das Wissenschaftszentrum Berlin führt aktuell eine Studie zu den Auswirkungen des Corona-Virus auf den Alltag durch, um diese Veränderungen in der Erwerbsarbeit, im Privatleben und beim subjektiven Wohlbefinden zu beschreiben.

Wir fragen uns: wie aussagekräftig sind die Ergebnisse für die Kulturbranche und insbesondere für die Theaterarbeit? Freischaffende Künstler*innen, die oft projektbasiert, mobil und nicht selten prekär arbeiten, sitzen nun zum Teil unerwartet an einem Ort fest, Gruppen müssen teilweise über große Distanz versuchen, gemeinsame Projekte weiter zu verfolgen.
Für Künstler*innen mit Kindern findet mitten im Ausnahmezustand plötzlich so etwas wie eine familiäre Normalität statt: Man ist ständig beisammen, was zwar nicht weniger, aber eine andere Art der Koordination erfordert. Für alle ist gravierend, dass noch niemand weiß, wann überhaupt wieder ein regulärer Spielbetrieb in den Theatern stattfinden wird. Neben dem verworfenen Plan A muss nun ein Plan B, C und D geschmiedet werden.

Wir wollten wissen, wie die Situation der Künstler*innen und Gruppen aussieht, die seit Mitte April bei uns hätten spielen sollen, es aber wegen der geltenden Ausgangsbeschränkungen nicht können. In Anlehnung an unser Interview-Format „3 Fragen an…“ haben wir sie gefragt:

Wo bist Du gerade und wie geht’s?
Was hat sich für Dich durch Corona zum Schlechten, eventuell aber auch zum Guten verändert?
Was beschäftigt Dich gerade am meisten? Und womit beschäftigst Du Dich?

Die Antworten sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie geben. Sie zeugen von realen Sorgen, eröffnen aber vor allem hoffnungsvolle Perspektiven für die Theaterarbeit in der Zeit nach der Krise. Und nicht wenige der Befragten sehen in ihr ganz konkrete Chancen für die soziale und ökologische Nachhaltigkeit der eigenen Branche. Wenn wir Glück haben, werden wir uns daran erinnern!

 

3 FRAGEN AN...
#6 Petra Serhal

(Choreografin, Beirut)

Entfallene Veranstaltung:
›Suspended Between the Second and the Third Kiss‹
(verschoben auf 2021)

In March, I was in the midst of the creation process for my performance Suspended Between the Second and the Third Kiss, when suddenly time suspended.

My body, which was moving and thinking continuously and relentlessly, abruptly suspended from a cloud in the sky.

In my suspension, I knew of women locked in their houses, their bodies violently abused. Their stories are the ones that I was encountering through my work. Suddenly, the pandemic made their vulnerabilities more visible than ever.

I watched and listened to everything around me with the slightest physical effort in order to understand this historical moment.

Still suspended, I try to understand and not feel the pressures of production. When the time comes, I will let my body land slowly. Till then, I regulate my breath, waiting for the liveness and connectivity with other bodies.

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3 FRAGEN AN ...

#5 Antonia Baehr (Choreografin, Berlin)
#4 Darren O'Donnell (Autor/freier Künstler, Kanada)
#3 Roland Siegwald (Mobile Albania)
#2 Julia Lapperiérre (Performerin, Kanada/Berlin)

#1 Christoph Ogiermann (Komponist, Bremen)