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sch wa nk hal le

› 3 Fragen an Ntando Cele

›Face Off‹ sets off as a stand-up comedy that suggests a smart act of looking back: The comedian is white-faced and tells racist jokes, based on both white and black stereotypes. Where did you take all these sarcastic jokes from?

All the artistic elements are collaborations with other artists. The script in particular is a collaboration with Raphael Urweider, because during the conception of ›Face Off‹ I struggled with the subject of racism as it felt  too personal. Some jokes are from dinner tables, conversations in passing or people directly talking to me 'ironically'. It was also an attempt to make a heavy topic into something approachable. In ›Face Off‹, the audience is in the uncomfortable situation where they wonder if they are allowed to laugh out loud at politically incorrect jokes. 

You live and work between South-Africa and Switzerland. Does the reception of your work in both countries differ according to the audience’s respective experience with racism (historically and currently)?

Yes, it differs. People in South Africa are constantly dealing, talking and arguing about race. In Switzerland, most (white) people have the luxury of not thinking about it. It makes them very unconfortable to see Bianca White as a mirror of unconscious racism. As many people don't know any black people, they assume not to be racist at all. Laughter can  be used as a tool to open questions about our own attitudes and perceptions. 

Bremen is currently struggling with its colonial past which is omni-present in public space. Moreover, activists and politicians are doing a hard job in creating awareness for structural racism. What do you think is needed in order to decolonize art institutions, particularly the theater?

A more diverse cast would be a good start. Non stereotypical roles for actors with a so called 'diverse' background. Create platforms where people with different backgrounds can meet and exchange in a safe space.   

Ntando Cele
Face Off
MI 25. - bis FR 27.4.2018, 20 Uhr 

› 3 Fragen an: Henrike Iglesias

Hinter dem Namen Henrike Iglesias verbirgt sich ein Kollektiv. Was hat es sich mit dem Namen auf sich, wer seid ihr und inwiefern könnt ihr euch mit Henrike identifizieren?

Henrike Iglesias kam zu uns während eines Mittagessens beim China-Buffet in Hildesheim, wo wir alle studiert und uns kennengelernt und eben auch angefangen, zusammen zu arbeiten, haben. Eine Frau* bestehend aus vier Frauen. Zusammen sind wir sie. Sie liebt Popkultur, genau wie wir und sie freut sich immer über einen guten Gag. Deshalb heißt sie Henrike Iglesias. Ihre Initialen sind außerdem HI, was das Autokennzeichen für Hildesheim ist, ist uns dann viel später aufgefallen - Ist das nicht romantisch?

Euer Stück GRRRRRL nennt ihr ›Eine Femmage an die böse Frau*‹. Wieso nicht einfach Hommage? Was macht euch böse? Und wieso schreibt ihr Frauen mit *?

Warum nicht ein bisschen Femininisieren, wo’s geht! Im Sinne von: Das Patriarchat wütet auch in der Sprache. Deswegen achten wir gerne darauf, weibliche Formen zu (er)finden.  Sprache soll ja auch Spaß machen. Eine Femmage ist außerdem eine Kunsttechnik, eine Art feministische Collage - das passt  ganz gut zu GRRRRRL. 

Was uns böse macht, ist gar nicht mal unbedingt die Frage, die wir uns in GRRRRRL stellen, sondern eher: Wann wir uns böse fühlen. Wann Frauen* gesellschaftlich die Zuschreibung ›böse‹ erhalten und was dieses ›böse‹ überhaupt ist. Und was es in der Umkehr vielleicht für ein befreiendes Potenzial hätte, sich das bewusst einzuverleiben.

Frauen* schreiben wir mit * um anzuzeigen, dass wir davon ausgehen, dass Frau* ist, wer sich als Frau* definiert oder identifiziert. 

Wir zeigen GRRRRRL passend zum Weltfrauentag am 8.3., der seit 1911 international gefeiert wird. Damals ging es u.a. um das Frauenwahlrecht und die Emanzipation der Arbeiterinnen. An welchen Fronten kämpft ihr als junge, weiße, deutsche Frauen heute?

In unserer Performance in 1968 - Eine Besetzung der Münchner Kammerspiele halten wir eine kleine Rede, in der sagen wir: ›Wir sind Henrike Iglesias und wir sind Teil einer politischen Bewegung. Wir nennen sie Feminismus und das bedeutet für uns: Der Kampf für die soziale, politische und ökonomische Gleichberechtigung aller Menschen. Wir glauben, dass sie der Weg in eine gleichberechtigte, diversere, inklusivere, queerere, tolerantere, zärtlichere Welt ist. Eine Welt in der ich nicht alle vier Monate auf dem Nachhauseweg von irgendeinem Dude belästigt werde. Eine Welt, in der niemand ungefragt meinen Körper kommentiert und bewertet und die Stimme in meinem eigenen Kopf, die meinen Körper permanent kommentiert und bewertet auch endlich die Fresse hält. Eine Welt in der ich Sätze sage, ohne Angst zu haben, dass mir Dummheit, Inkompetenz oder Gefühligkeit unterstellt wird. Eine Welt, in der ich mich nicht dafür in Frage stellen und rechtfertigen muss, wen ich liebe und wie viele und wie oder wen oder was ich begehre.‹ Das fasst es eigentlich ganz gut zusammen

Henrike Iglesias
GRRRRRL
DO 8. + FR 9.3.2018, 20 Uhr

Stellenausschreibung LEITUNG (M/W) ÖFFENTLICHKEITSARBEIT/ MARKETING

Der gemeinnützige Neugier e.V. schreibt als Trägerverein der Schwankhalle zum 1.8.2018 die Stelle eines/einer leitenden Mitarbeiter/in für den Bereich Kommunikation (Presse und Marketing) aus.
Wir freuen uns auf Ihre aussagekräftige Bewerbung mit vollständigen Unterlagen in einer zusammengefassten PDF-Datei ausschließlich in digitaler Form.
Bitte senden Sie diese bis zum 15.03.2018 an kbb@schwankhalle.de

Ganze Ausschreibung als pdf

› 3 Fragen an: Antonia Baehr

Du arbeitest seit 15 Jahren als Choreografin, zeigst mit ›Normal Dance‹ nach eigenen Aussagen aber dein erstes Tanzstück. Wie dürfen wir das verstehen? 

Ich habe als Choreografin gearbeitet, aber Choreografie bezieht sich nach meinem Verständnis nicht unbedingt nur auf Tanz. Das ist mein erstes Stück in dem sich Personen auf der Bühne zu Musik mit ihrem ganzen Körper bewegen.

Inspirationsquelle für das Stück waren die Bewegungen von Butches, Texte von Gertrude Stein und Kompositionen zeitgenössischer experimenteller Komponistinnen. Wie gehört das zusammen: Weibliche Maskulinität, Literatur der Jahrhundertwende und Neue Musik?

Wir haben zeitgenössische Musik (nicht unbedingt nur Neue Musik) von Frauen gesucht, weil es eine männliche Domäne ist und wir die Musik von noch lebenden Komponistinnen kennenlernen wollten. Ich bin bspw. ein großer Fan der ›les femmes savantes, und auf deren CD konnten wir am besten tanzen in den Proben. Außerdem hat DJane Imperatriz weitere Musik von Komponistinnen entdeckt und sie kontaktaktiert, und ihre Konzerte besucht. Gertrude Steins Text handelt von Frauen, die zusammen sind, und sie hat deren Zusammensein auf die Bühne platziert. Sie hat sich für Nonnenkloster als Gemeinschaft interessiert. Bei uns sind es Butches.

Bremen hat eine lebendige Queer-Szene und es gibt hier viel Neue Musik. Was können Menschen, die weder in dem einen, noch dem anderen Club angehören, aus einem Besuch von ›Normal Dance‹ mitnehmen?

Ich zitiere eine Person aus dem Publikum: ›A Butch dance, a movement study on expression of bodies in dance and 'normality'. It ́s a piece about pleasure and this is what you will feel seeing it. Not only for butch-lovers (but especially for you!).‹

Antonia Baehr
NORMAL DANCE
DO 22. + FR 23.2.2018, 20 Uhr 

› 3 Fragen an: Melanie Jame Wolf

›Highness‹ is the second part of a trilogy on female archetypes and deals with the figure of the queen. Why are you interested in the queen, particularly in relation to the whore that you dealt with in the first part of the trilogy?

I am interested in how audiences understand the power available to different archetypes of womanhood. I personally avoid the word female, I use the word woman in order to avoid the mistake or complication of thinking about gender as something based in biology. When I say power, I mean not only dominance or control, but also how the lens of looking at a woman who is labelled as a Queen is different to the lens of looking at a woman who is labelled a Whore. The expectations are different, the opportunity for social mobility is different. Both are complicated, both are restrictive and freeing in different ways. In the third part of this trilogy I will provide a third point of contrast in these power relations between women and spectators by looking at what we expect from women who are labelled as Hags or Crones, not witches, but older women.

You come from Australia which belongs to the British Commonwealth. Can you tell us more about your personal relation to the British and other queens since the last monarchy in Germany ended 100 years ago?

When I was in Kindergarten we used to sing 'God Save The Queen' to a portrait of Elizabeth II on the wall. They don't do that in Australian schools now. I am personally in favour of an Australian republic, I am an anti-monarchist in fact. But ›Highness‹ is not about historical queens. It is about the idea of being a Queen as a sensibility, available to anyone to perform if they are willing to accept the conditions. The work is dedicated to every Queen I have ever met – drag queens, pop queens, size queens, and so on...

In the context of the #metoo campaign against sexualized violence a review on ›Highness‹ on www.nachtkritik.de triggered heated discussions, what is your opinion about the text?

I made a statement about that text which I published on my Savage Amusement Facebook page and will soon publish on my blog. There was also a response to nachtkritik by Stefanie Wenner published in Missy Magazin online. For me, that 'review' was a vulgar display of everything that can go horribly wrong with arts criticism – the narcissistic performativity of the critic, the recklessness of the critic, the irresponsibility of the critic, the subjectivity of the critic. And what is wrong with those things is that they make the criticism pointless and meaningless and unhelpful to anybody. As both an artist and a human being to be talked about in that way, with the language used – to be so objectified, and to have the complexity and the labour of my art work dismissed so readily in such out-dated, sexist bourgeois creepy ways – was deeply troubling. It is completely unacceptable. Women and artists deserve respect, simple. It comes down to the fact that the role of the critic is to engage with the actual work – in an informed and considered way. It is not to offer a verdict, it is to open a conversation. The nachtkritik text was an act of sexual harrassment. From responding to it however, I found a new interest in writing myself about criticism and audience and what it means to be a woman artist. That's what I am focused on with this subject now.

› 3 Fragen an: Doris Uhlich

›Ravemachine‹ ist ein Duett mit dem Performer Michael Turinsky. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und was hat dich besonders daran gereizt? 

Bei meinem Stück ›Universal Dancer‹, in dem ich eine Rüttelmaschine mit zwei Waschmaschinenmotoren reite, waren einige Menschen in Rollstühlen im Publikum. Sie haben mir nach der Aufführung gesagt, dass sie meine Maschine toll finden, dass sie auch gerne auf ihr geritten wären. Ein Mann hat mich gefragt, ob ich nicht eine Idee für Tanzworkshops mit Menschen mit Behinderungen hätte. Spontan habe ich geantwortet: ›Ihr sitzt ja in Maschinen, in elektrischen Rollstühlen. Techno speist sich aus dem Maschinellen. Ihr seid TechnoexpertInnen! Elektronischer Sound könnte spannend sein für eure Körper, um energetische Zustände zu erforschen.‹ Mit dieser Idee im Hinterkopf, habe ich Michael Turinsky angerufen, und ihn gefragt, ob er mit mir versuchen möchte, seinen Körper mit der Energie von Sound zu fluten. ›Ravemachine‹ ist ein Projekt, in dem zwei unterschiedliche Körper aufeinandertreffen, sich Impulse geben und an der Beziehung Energie und Form arbeiten. 

Ausgangspunkt eurer gemeinsamen Bewegungsrecherche war das Thema Energie und Ekstase. Welche Formen der Übertragung und Zuspitzung können wir erwarten?

Es finden Energieübertragungen zwischen Mensch-Mensch, Mensch-Maschine, Mensch-Sound und Mensch-Raum statt. Mein Konzept der Energiefindung im Körper nenne ich ›Energetic Icons‹. Jeder Körper hat spezifische Möglichkeiten, seine Dynamik der Energie und fleischliche Freude in persönlichen Bewegungen zu artikulieren. Es entstehen wiederholbare Formen, ›Energietanzschritte‹. Sie ‚kosten’ Energie, wenn man sie tanzt, aber bringen auch Energie zurück. Wenn sie sehr anstrengend sind, dann können sie an manchen Tagen ermüden, an anderen Tagen zu Ekstasen führen. Dieses Experiment findet in ›Ravemachine‹ statt. Wir haben an unseren ›Energetic Icons‹ gearbeitet und bringen unsere Körper mehr und mehr zum kochen, tauschen im Laufe des Stücks unsere Maschinen aus (ich bewege fahre im E-Rolli, Michael meinen Soundcomputer), und erleben gemeinsam Anstrengung, energetische Hochgefühle bis Erschöpfung.

Ihr bringt beide sehr unterschiedliche Körper mit ins Spiel. Habt ihr bewusst mit dieser Differenz gearbeitet oder versucht, euch einander anzugleichen?

Die körperliche Differenz hat für uns Anziehungskraft. Sie ist eine große Inspirationsquelle. Mein Körper ist viel weicher, Michael hat einen hohen Muskeltonus. Unsere beiden Körper haben verschiedene Dynamiken, Rhythmen, Beats, Fragilitäten und Stärken. Es gibt im Projekt den Versuch, die Qualitäten des anderen Körpers zu übersetzen im eigenen Körper. Dabei geht es nicht um Kopie. Sondern um eine Erweiterung der eigenen Bewegungslandschaft, des eigenen Bewegungsarchivs. So übersetze ich z.B. Michaels unregelmäßigen Beat und integriere ihn in meinen Beat. Dabei bleibt es eine körperliche Recherche ohne den Moment von: ›Jetzt weiß ich, wie der andere Körper sich fühlt‹. Ich möchte damit sagen, dass die Differenz immer präsent bleibt, dass wir nicht versuchen, die Differenz aufzuweichen, sondern die Realität des anderen Körpers mit der eigenen in Beziehung zu setzen.

Doris Uhlich, Michael Tursinky
RAVEMACHINE
DO 7. + FR 8.12., 20 Uhr

› 3 Fragen an: Susanne Zaun und Marion Schneider

›Dieser Witz trägt Bart‹ ist ein Stück über das Witzemachen aus weiblicher Perspektive. Gibt es einen Witz, über den ihr persönlich noch lachen könnt? Und wenn ja, wie geht der?



Tatsächlich hat unsere Bereitschaft über Witze zu lachen im Laufe der Proben eher zu- als abgenommen. Die Schmerzgrenze im gesamten Team ist deutlich gesunken. 

Was sitzt auf einem Baum und winkt?

Ein Huhu

Es braucht etwa eine halbe Stunde und viele Anläufe bis die erste Pointe endlich sitzt. Das scheint in der Inszenierung Methode zu haben. Gilt bei euch also die Regel: ›Witz komm raus! Geht nicht die Tür klemmt.‹?

Mit Witzen ist es ganz ähnlich wie mit Horror-Filmen: Die Pointe oder die Auflösung ist meist das Enttäuschende. Solange wir das Monster nur ahnen, sind wir voller Spannung, sobald wir es sehen, ist der Grusel vorbei. Ähnlich ist das mit der Erwartungshaltung beim Witz. Gleichzeitig denkt man sowohl beim Witz wie beim Horrorfilm oft ›Oh, bitte, lass es nicht DAS sein, worauf es hinaus läuft!‹ Es macht uns Spaß, mit dieser Angst zu spielen. 

Viel Text spricht ein weiblicher Chor. Welches sind eure Beweggründe für den Einsatz dieses antiken Theatermittels?

Es fetzt.

Susanne Zaun, Marion Schneider
Dieser Witz trägt einen Bart
DO 30.11. + FR 1.12., 20 Uhr

› SORGENFREI 1

Eine künstlerisch-wissenschaftliche Zwischennutzung auf dem Gelände des Klinikum Bremen-Mitte MÄRZ bis JUNI 2017

Ein Projekt der Jungen Akademie und der Schwankhalle in Kooperation mit dem Klinikum Bremen-Mitte Gefördert von der Karin und Uwe Hollweg-Stiftung
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› Stellungnahme 'Theater-Gau'

Artikel ’Zu wenig Besucher in der Schwankhalle’
Kommentar ‚Theater-Gau’ 

Der neue Vorstand des Trägervereins Neugier e.V. ist im Jahr 2015 mit dem Vorsatz angetreten, die Schwankhalle als innovative Spiel- und Produktionsstätte für freie darstellende Künste zu professionalisieren, überregional sichtbarer zu machen und lokal neu zu vernetzen. Dies erforderte u.a. betriebliche und programmatische Veränderungen sowie die Gewinnung neuer Zielgruppen. Der Vorstand hält dieses Vorhaben angesichts der derzeit geführten Debatte um Kultur als Standortfaktor Bremens weiterhin für einen zukunftsträchtigen Ansatz. Denn an der Schwankhalle gastieren nicht nur Künstler_innen und Gruppen von außerhalb, die bundesweit bekannt und international aufgestellt sind, sondern auch junge Talente, die Bremen nach dem Studium als Arbeitsort gewählt haben, um mit unserer Begleitung erste Schritte in den Kunstbetrieb zu wagen. 

Im Zuge der Neuausrichtung von Kulturinstitutionen muss immer mit dem Risiko eines vorübergehenden Absinkens der Besucherzahlen gerechnet werden, da Teile des bisherigen Publikums ausbleiben und die Erschließung neuer Zuschauerkreise ein nur mittelfristig gestaltbarer Prozess ist. So sahen in der Spielzeit 2015/16 6290 Besucher_innen rund 114 Veranstaltungen in der Schwankhalle. Die durchschnittliche Auslastung lag bei 45%. Je nach Aufführung bei variabler Platzkapazität ließen sich dabei erhebliche Schwankungen der Zuschauerzahlen verzeichnen. Gezählt wurden zwischen zehn und bis zu 750 Besucher_innen.

Dennoch: Zehn zahlende Zuschauer_innen auf 100 Plätzen in der qualitativ hochwertigen Aufführung einer international renommierten Kompanie haben auch wir ungeschminkt als ‚Katastrophe’ für alle Beteiligten definiert. Die teilweise unbefriedigende Auslastung der Schwankhalle ist zugleich keine gänzlich neue Situation und praktikable Lösungsansätze erfordern insofern ein mehrschichtiges und langfristig durchdachtes Vorgehen. Das Angebot nur der lokalen Nachfrage anzupassen ist vor diesem Hintergrund keine Lösung. 

Bereits die vorherige Leitung hat mit der bewusst vollzogenen Öffnung des Profils von einem Künstlerhaus für die lokale Szene und zu einem Theater für lokale, nationale und internationale Künstler_innen und Gruppen einen wichtigen Vorstoß unternommen. Von diesem Schritt können sowohl das Bremer Publikum als auch die lokale freie Szene nur profitieren. Bremer_innen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, können in der Schwankhalle etwa mittlerweile regelmäßig Theater in englischer oder aber ganz ohne Sprache sehen, Ende September auch auf arabisch. Und angesichts der äußerst schwierigen Bedingungen der Kunstproduktion in Bremen unterstützen wir lokale Künstler_innen mit Kontakten zu Veranstaltern und Koproduzenten außerhalb Bremens. 

Weil wir unsere beim Antritt selbst gesetzten Ziele bisher nicht vollständig erreichen konnten, haben wir uns bewusst dazu entschieden, dieses Problem gegenüber der Öffentlichkeit offensiv zu benennen. Denn die Schwankhalle versteht sich nicht nur als eine experimentierfreudige Institution, sondern aufgrund der sich aus der institutionellen Förderung durch den Senator für Kultur ergebenden hohen Verantwortung auch als lernende Institution, die ihre strategische Grundausrichtung laufend kritisch überprüft. Wir haben uns also nicht nur ‚an die eigene Nase gefasst’, sondern mit Beginn der Spielzeit 2015/16 auch umgehend begonnen, Ursachenforschung zu betreiben. 

Zu den ersten Schritten gehörte eine bereits im Dezember 2015 von der Hochschule Bremen (HSB) nach wissenschaftlichen Standards durchgeführte explorative Besucherbefragung, die zwar keinen Anspruch auf statistische Repräsentativität erheben will (100 Personen bei vier Vorstellungen von zwei Produktionen), aber dennoch bemerkenswerte Befunde erbrachte: 

•    30% waren erstmalig in der Schwankhalle. 
•    69% der Besucher_innen kamen aus Bremen, 16% aus Niedersachsen und 12% von anderen Orten. 
•    50% waren 19 bis 40 Jahre alt, 27% 41 bis 65 Jahre, 21% über 65. 
•    85% fanden die gesehenen Veranstaltungen gut oder sehr gut. Es ist davon auszugehen, dass sie diese auch ‚verstanden’ haben.
•    89% der befragten Besucher_innen würden die Schwankhalle weiter empfehlen. 

Dieses erste Stimmungsbild bestärkte uns in der gewählten neuen Programmlinie, wobei Programmangebot, -zusammensetzung und -vermittlung aufgrund der im Laufe der Spielzeit 2015/16 gesammelten Erfahrungswerte dennoch fortlaufend überdacht wurden. 

Wir haben konstruktive Kommentare und Anregungen von verschiedenen Seiten aufgenommen, was uns mit Beginn der Spielzeit 2016/17 zu einer Anpassung des Preissystems → Link und dem Ausbau des Vermittlungsangebots veranlasste → Link. Im Sinne einer Verankerung in der Stadtgesellschaft und unseren Zielgruppen wurde überdies das Format eines Zuschauer_innenbeirats entwickelt. Dieser Beirat aus theaterinteressierten Laien wird einen kontinuierlichen und qualifizierten Dialog zwischen Publikum, Künstler_innen und Theaterleitung ermöglichen. 

Gleichzeitig gingen wir verstärkt Kooperationen mit lokalen Partnern aus dem sozialen, wissenschaftlichen und kulturellen Bereich ein und entwickelten inhaltliche Schwerpunktsetzungen für die Spielzeit 2016/17, die der Presse am 18.8.2016 exemplarisch vorgestellt wurden. Hierzu zählen u.a. die gezielte Förderung einzelner lokaler Künstler_innen und Gruppen aus Bremen in 2017, ein Programm-Austausch mit der GAK im November 2016 sowie ein thematischer Schwerpunkt rund ums Entertainment Anfang 2017, der sich affirmativ und zugleich ironisch mit dem Genre des Musicals befasst. 

Wir bedauern, dass unsere inhaltlichen Weichenstellungen in der Darstellung von Iris Hetscher im Weser-Kurier vom 19.8.2016 nicht zur Sprache kommen und die Auseinandersetzung mit dem Programm daher weitgehend ohne sachliche Grundlage bleibt. Daher muss zumindest angemerkt werden, dass selbstverständlich auch die mediale Berichterstattung einen Anteil an der Wahrnehmung und Vermittlung von Theater und Kultur in Bremen hat. So ergab die Besucherbefragung der HSB auch, dass nur 20% der Besucher_innen durch die Printmedien auf das Angebot der Schwankhalle aufmerksam geworden sind. Das kann nur bedingt überraschen, wenn der Weser-Kurier seit Beginn der Spielzeit 2015/2016 lediglich fünf Veranstaltungen von auswärtigen Künstler_innen in der Schwankhalle journalistisch begleitet hat. Es wirft kein gutes Licht auf die Weltoffenheit unserer Stadtkultur, wenn Künstler_innen, die in Bremen noch nicht eingeführt sind, an dieser Stelle die journalistische Begleitung entbehren müssen. 

Die Veranstaltungen in der Schwankhalle sind Erfahrungen für alle Sinne und sicherlich alles Andere als ‚verkopft’. Wir sind zuversichtlich, dass sich auch diejenigen, die über die Tageszeitung oder andere Kanäle zu uns finden, davon selbst ein Bild machen werden. Wir laden daher ausdrücklich zur Spielzeiteröffnung am 27.08.2016 ein, um einen Vorgeschmack auf das Programm der kommenden Monate zu bekommen, welches in dem Bericht von Iris Hetscher eher zur Nebensache wird. 

Wir sollten endlich beginnen, über Qualitäten ebenso zu sprechen wie über Quantitäten. Gerne auch unter Rückgriff auf Bertolt Brecht. Denn wir wollen ein Theater mit Publikum, das Brechts Vision eines ‚Theaters ohne Zuschauer’ ernst nimmt. Seine Lehrstücke waren der Versuch, ein traditionelles Theaterverständnis zu überwinden, das er für allzu voraussetzungsvoll und somit exklusiv hielt. Gerade Brecht, den man als einen der wichtigsten Wegbereiter des postdramatischen Theaters bezeichnen könnte, wünschte sich ein Theater, bei dem die Zuschauer ohne Expertenwissen mitdenken und urteilen. In diese Traditionslinie stellen wir uns sehr gerne und zwar gerade ohne ‚das Volk aufzulösen und uns ein neues zu wählen’. 

Marta Hewelt & Pirkko Husemann 
(Vorstand Neugier e.V.)

› Zuschauer_innenbeirat

Ihre Meinung ist uns wichtig!

Wir haben einen Zuschauer_innenbeirat, der uns mit Rat und Tat zur Seite steht.

Wir suchen
Menschen jeden Alters mit Lust auf Theater, die keine (!) Theaterexperten sind.
Menschen ohne Theatererfahrung, die das gerne ändern möchten.

Sie haben 
Eine Meinung und Fragen, die Sie offen und ehrlich mit uns teilen möchtet.
Zeit zum Besuch von Proben oder Aufführungen und zur Lektüre von kurzen Texten.

Wir bieten
Freien Eintritt bei ausgewählten Veranstaltungen in der Schwankhalle.
Einen Blick hinter die Kulissen eines Theaters. Probenbesuche und exklusive Gespräche mit Theatermacher_innen.

Der Zuschauer_innenbeirat beginnt seine Tätigkeit Ende August 2016. Ein späterer Quereinstieg ist jederzeit möglich.

Bitte senden Sie nur ernstgemeinte Anfragen mit Angaben zu Ihrer Person und Motivation an: kbb@schwankhalle.de oder rufen uns wochentags zwischen 10 und 14 Uhr an unter 0421 520 80 710.

› Solidarisches Preisystem

Ab 1. August 2016 gilt das solidarische Preissystem!
Sie wählen frei aus einer der Preiskategorien aus.

7 / 10 / 14 Euro, Bremen Pass 3 Euro

Eintritt frei heißt es ab sofort für Studierende im ersten Semester Bachelor/Diplom/Master und Auszubildende im ersten Lehrjahr (mit entsprechendem Nachweis)!

Ausnahmen, wie Konzerte, Vorträge, Showings etc. sind entsprechend markiert!

› sch wa nk hal le for 2

Unter vier Augen stellen wir Ihnen unser Programm persönlich vor. Im Turm über den Dächern der Neustadt oder im Kanu auf dem Werdersee. Dienstags und Donnerstags jeweils um 9 oder 18 Uhr. Anmeldung erforderlich unter presse@schwankhalle.de.

› Spielplan bestellen

Sie möchten den frisch gedruckten Spielplan alle zwei Monate nach Hause geschickt bekommen? 
Kein Problem! Mailen Sie uns Ihre Anschrift an presse@schwankhalle.de